Tag der Katze

Heute eine kurze Abhandlung über den Tag der Katze – nicht zu verwechseln mit dem Weltkatzentag. Es handelt sich vielmehr um den tagtäglichen Tag der Katze, ein sich immer wiederholendes Ritual:

Etwa 365 mal im Jahr feiern jene Menschen, die das große Glück haben, mit einer Katze zusammenzuleben und ihr dienen zu dürfen, den Tag der Katze.

An diesem Tag wird der tierischen Mitbewohnerin die ihr zustehende Ehre erwiesen. Man braucht dazu keine speziellen Riten, muß sich nicht mit anderen Menschen in großen Häusern zum Zwecke der Götzenanbetung versammeln, es gibt keine Vorbeter in bunten Kleidern, keine feierliche Musik, keine Symbole und keine dicken Bücher mit seltsamen Geschichten.

Denn, all das hat man ja schon zu Hause, konzentriert in einem launischen Fellbündel, welches schon frühmorgens vor dem Bett seines Dieners steht und darauf wartet, daß dieser endlich aufsteht.

Da es keine festen Rituale gibt, existieren ungefähr so viele Varianten der Katzenverehrung wie Katzenverehrer selbst. Ich kann daher nur meinen persönlichen Tag der Katze zur näheren Beschreibung anbieten:

Mensch erwacht und freut sich, als erstes in die Augen seiner geliebten Katze zu blicken.
Katze freut sich auch – aufs Futter.
Mensch bringt also seine erste Opfergabe dar.
Katze frisst.
Mensch darf inzwischen die heiligen Exkremente seiner Katze dem Gott LOKUS auf einem eigens geschaffenen Altar übergeben.

(An dieser Stelle sei kurz auf ein anderes, allzu menschliches Ritual hingewiesen, welches mit dem eben erwähnten Altar zu tun hat. Von einer näheren Beschreibung wollen wir jedoch aus zeitlichen und noch anderen Gründen absehen und uns wieder dem Tag der Katze zuwenden.)

Katze ist fertig.
Mensch darf Katze streicheln.
Katze hat keine Lust mehr auf Streicheln.
Katze kratzt und faucht.
Katze rollt sich zusammen und schläft.

Mensch darf sich zurückziehen und sich anderen Dingen zuwenden, wie etwa dem Gelderwerb. Dies nicht zuletzt auch, um neue Opfergaben anschaffen zu können sowie den Erhalt der Wohn- und Wirkungsstätte seiner angebeteten Katze weiterhin zu gewährleisten.

Tagsüber ist die Katze in aller Regel alleine, der Tag der Katze spielt sich also hauptsächlich morgens und abends ab.

Mensch kommt abends nach Haus und freut sich, seine verehrenswürdige Katze wiederzusehen.
Katze freut sich auch – aufs Futter.
Katze erhält die zweite Opfergabe des Tages.
Katze frisst.
Mensch darf inzwischen endlich seine Straßenkleidung ablegen.
Katze ist fertig mit Fressen.

Katze wäre jetzt in Spiellaune und gibt dies ihrem Diener zu verstehen, indem sie sich an seinen Beinen reibt.
Mensch mißversteht und streichelt Katze.
Katze hat aber keine Lust auf Streicheln
Katze kratzt und faucht.
Mensch versteht endlich und holt ein Katzenspielzeug hervor.
Katze hat aber keine Lust mehr auf Spielen.
Katze kratzt und faucht.

Mensch bringt, um seine Göttin zu besänftigen, eine weitere Opfergabe in Form eines Leckerli dar.
Mensch darf Katze beim Verspeisen der selbigen zusehen und sich daran erfreuen.
Katze ist halbwegs zufrieden mit den ihr erbotenen Ehrerweisungen und springt auf den Schoß Ihres Dieners.
Mensch darf Katze streicheln.
Katze schnurrt.
Mensch freut sich.

So oder ähnlich, in unzähligen Varianten, spielt sich also der – tägliche – Tag der Katze ab – ein Tag großer Freude für die Menschen und ein – naja – zufriedenstellender Tag für deren Besitzer.

Ein Kommentar zu „Tag der Katze

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